Das neue ICS2 Verfahren

In der Welt der Speditions- und Logistikbranche gibt es ständig neue Entwicklungen und Innovationen, die unsere Arbeit effizienter und reibungsloser gestalten. Eine dieser Entwicklungen ist das neue ICS2 Zollverfahren, das die Art und Weise, wie importierte Waren abgefertigt werden, verändern wird. In diesem Blogbeitrag werden wir uns genauer mit diesem Verfahren befassen und seine Auswirkungen auf die Logistikbranche beleuchten.

ICS2 – Was ist das?

ICS2 steht für „Import Control System 2“ und handelt es sich um eine Weiterentwicklung des bestehenden ICS-Systems der Europäischen Union. Das Ziel von ICS2 ist es, die Sicherheit und Effizienz des Warenverkehrs über die EU-Grenzen hinweg zu erhöhen. Es wurde entwickelt, um den Zollprozess für den internationalen Warenverkehr zu verbessern und gleichzeitig die Sicherheit der Lieferketten zu gewährleisten.

Die Vorteile von ICS2 

  1. Frühzeitige Informationen: ICS2 ermöglicht es, Informationen über geplante Warentransporte frühzeitig an die Zollbehörden zu übermitteln. Dies ermöglicht den Behörden, potenzielle Sicherheitsrisiken frühzeitig zu identifizieren und zu überwachen.

  2. Reduzierte Wartezeiten: Da die Informationen im Voraus übermittelt werden, können Zollprüfungen gezielter durchgeführt werden. Dies soll zu kürzeren Wartezeiten an den Grenzen führen und den Warenverkehr beschleunigen.

  3. Verbesserte Sicherheit: ICS2 trägt dazu bei, die Sicherheit der Lieferketten zu erhöhen, da verdächtige Sendungen schneller erkannt und überwacht werden können. Dies trägt dazu bei, den Schmuggel von gefährlichen Gütern zu verhindern.

  4. Vereinfachte Verwaltung: Das ICS2-System bietet eine zentrale Plattform zur Übermittlung von Zolldokumenten und Informationen, was die Verwaltung für Spediteure und Logistikunternehmen vereinfachen soll.

 

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Die Umsetzung von ICS2

Die Einführung von ICS2 erfolgt in drei verschiedenen Phasen und erfordert die Zusammenarbeit aller Beteiligten in der Lieferkette, einschließlich Spediteure, Logistikunternehmen und Zollbehörden.

Die erste Phase startete am 15.03.2021 und betroffen waren hier die Postdienste, Expressdienstleister und Drittlandspostdienste. Die zweite Phase war für März 2023 geplant, wurde aber auf Oktober 2023 verschoben. Hier werden die Luftfahrtunternehmen und Speditions- und Logistikdienstleister betroffen sein. In der dritten und letzten Phase werden im März 2024 auch die Reedereien, Bahn- und Straßentransporteure, sowie die gewerblichen Warenempfänger (z.B. Empfänger und Importeur) auf das neue ICS2 Verfahren umgestellt. 

Konkret bedeutet das, dass Kurierdienste und Betreiber von Postdiensten für Waren, die sie per Luftfracht in oder durch die EU befördern, Vorab-Frachtinformationen in Form einer elektronischen Entry Summary Declaration (ENS) vor dem Verladen der Waren auf das Flugzeug übermitteln müssen. Diese Pflicht gilt seit dem 01.03.2021 für KEP-Dienstleister und ab Oktober 2023 (ursprünglich März) betrifft dies auch Airlines und Spediteure. Ab dem 1. März 2024 müssen auch die Betreiber, die Waren auf See, Schiene oder Straße transportieren, ebenfalls ENS-Daten für alle Waren an ICS2 übermitteln.

Welche Daten müssen in der ESN übertragen werden?

Aufgrund der Einführung des ICS2, müssen die Verantwortlichen künftig die Warenbeschreibung und zusätzlich statt nur vier Ziffern, sechs Ziffern des Harmonisierten System-(HS) Codes in der ESN angeben. Zudem muss die Eingangsanmeldung in Zukunft auch vor der Verladung der Sendung bei der zuständigen Zollbehörde erfolgen. Die folgenden Daten gehören ebenfalls in die ESN:

  • Sendungsnummer
  • Gewicht der Lieferung
  • Anzahl der Packstücke
  • Airwaybill (AWB)
  • House Airwaybill (HAWB)

 

Was bedeutet das für Spediteure und Logistikdienstleister?

Insgesamt bedeutet die Umsetzung von ICS2 für Spediteure und Logistikdienstleister eine verstärkte Verpflichtung zur Datentransparenz, zur Sicherheitsüberwachung und zur Einhaltung der Zollvorschriften. Eine erfolgreiche Umsetzung kann zu einer effizienteren Abfertigung an den Grenzen und zu einer erhöhten Sicherheit der Lieferketten führen. Um das zu ermöglichen, erfordert dies allerdings einen reibungslosen Informations- und Datenaustausch zwischen allen Beteiligten. 

Die Nachteile von ICS2

    1. Initialer Verwaltungsaufwand: Die Einführung von ICS2 erfordert eine erhöhte Komplexität und einen höheren Verwaltungsaufwand für Wirtschaftsbeteiligte, die internationale Warentransporte durchführen. Dies beinhaltet die Notwendigkeit, elektronische Frachtdaten frühzeitig und in einem spezifischen Format bereitzustellen.

    2. Kosten: Die Umstellung auf ICS2 kann mit zusätzlichen Kosten für Unternehmen verbunden sein, einschließlich Investitionen in IT-Systeme, Schulungen und die Anpassung von Geschäftsprozessen.

    3. Mögliche Verzögerungen: In den Anfangsphasen der Einführung von ICS2 könnten Verzögerungen im Warenverkehr auftreten, da sich Unternehmen an die neuen Anforderungen anpassen müssen. Dies könnte sich negativ auf Lieferketten und den Handel auswirken.

    4. Strafen und Sanktionen: Unternehmen, die die ICS2-Anforderungen nicht korrekt umsetzen oder unvollständige oder ungenaue Informationen übermitteln, könnten Strafen und Sanktionen von Zollbehörden in Kauf nehmen müssen.

    5. Erhöhte Anforderungen an die Warenbeschreibung: Es müssen detaillierte Warenbeschreibungen bereitgestellt werden, was die Anforderungen an die Genauigkeit und Vollständigkeit der Daten erhöht.

    6. Erhöhte Datenqualitätsanforderungen: Aufgrund der erhöhten Anforderungen an die Warenbeschreibung, gelten auch höhere Datenqualitätsanforderungen, da unzureichende oder ungenaue Informationen abgelehnt werden könnten. Dies erfordert von Unternehmen eine genaue und zeitnahe Datenerfassung und Kommunikation mit den Beteiligten.

    7. Notwendigkeit der Zusammenarbeit: Um die höheren Anforderungen und die bessere Datenqualtität erfolgreich umzusetzen, erfordert dies engere Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren in der Lieferkette, was in einigen Fällen eine Herausforderung darstellen könnte.   

    8. Mögliche Auswirkungen auf die Lieferkette: Wenn Unternehmen die ICS2-Anforderungen nicht rechtzeitig und in ausreichender Qualität erfüllen, könnten ihre Sendungen an den EU-Zollgrenzen angehalten oder zurückgewiesen werden, was die Lieferkette unterbrechen könnte.

 

Fazit

ICS2 sorgt aktuell in der Branche für große Umstellungen und stellt alle Logistiker vor neue Herausforderungen. Der Zoll verspricht sich eine verbesserte Sicherheit, schnellere Abfertigungszeiten an den Grenzen und eine effizientere Verwaltung von Zolldokumenten. Um von diesen Vorteilen profitieren zu können, ist es entscheidend, sich frühzeitig über die Anforderungen und den Umsetzungszeitplan zu informieren und eng mit den Zollbehörden zusammenzuarbeiten.

Wir werden die Entwicklungen im Zusammenhang mit ICS2 weiterhin genau verfolgen und Sie über alle wichtigen Updates auf dem Laufenden halten. 

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